Blindenbaseball: Erster internationaler Sieg!

Bavarian Bats bei der Inoffiziellen Europameisterschaft in Paris

Die inoffizielle Europameisterschaft im Blindenbaseball, der Mole-Cup, wurde am Wochenende in Paris ausgetragen: Das Team der Nogent Bandits lud dazu heuer nach Nogent-sur-Marne in den Parc du Tremplay ein.

Für das Team der Bavarian Bats war das Turnier fast schon beendet, bevor es überhaupt begonnen hatte. Die Fluggesellschaft stornierte 12 Stunden vor Check-in kurzerhand den Flug. Headcoach Hubertus Hagemeier ließ sich davon nicht unterkriegen und organisierte kurzerhand zwei Autos, mit denen die sieben blinden Grizzlies, drei sehende Teamspieler und die Ground Crew nach Paris fahren konnten. Gegen 18 Uhr erreicht man das Turnierhotel in Gehweite des Baseballfelds der Nogent Bandits. Den Abend verbrachte man zusammen mit dem französichen Team auf einer Insel in der Marne bei gutem französichen Rotwein und exzellentem Essen.

Am nächsten Morgen startete das Turnier bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Im ersten Spiel trafen die Bavarian Bats auf die unbestrittenen Titelverteidiger aus Italien. In Italien gibt es viele Blindenbaseball-Teams, so dass dort eine Blindenbaseball-Liga gespielt wird. Aus diesen Teams wird für den Molecup eine italienische Nationalmannschaft zusammengestellt. Verglichen mit den anderen beiden Mannschaften des Turniers, den Baverian Bats und den Nogent Bandits, verfügen die Italiener dadurch über sehr viel Spielerfahrung. Die Italiener gingen in den ersten beiden Innings mit sechs Runs in Führung. Beim Blindenbaseball werden immer zwei Innings hintereinander gespielt, um die Wechselzeiten zu verringern. In den zwei folgenden Innings waren die Bavarians Bats am Schlag, es gelang jedoch kein Run für die Bayern. In den folgenden Doppelinnings hielten die Bats das Italienische Nationalteam jedoch unter Kontrolle. Kein weiterer Spieler des Teams Italy konnte die Homeplate passieren. Die sehr gute Defense der Italiener ließ jedoch auch keinen Run der Grizzlies mehr zu. So blieb es beim Endstand von 6:0 für Italien.

Die Bavarian Bats hatten sich bei den sommerlichen 30 °C im Ballpark in Nogent-sur-Marne nun offensichtlich warmgeschossen. Im zweiten Spiel des Tages trafen sie auf das Team der Gastgeber. In einem spannenden Spiel schenkten sich die Teams nichts. Die ersten drei Innings blieben ohne Punkt. Erst im vierten Inning gelang es den Franzosen, einen Läufer über die Homeplate zu bekommen. Die Bats zeigten jedoch ebenso eine eindrucksvolle Schlagleistung und konnten mit zwei Fledermäusen punkten. Vor dem letzten Inning lagen die Bavarian Bats also knapp mit 2:1 vorne – und sie verteidigten in einer sehenswerten Defenseleistung ihren knappen Vorsprung. Der erste Sieg bei einem Turnier in der Geschichte des einzigen deutschen
Blindenbaseball-Teams war errungen, und der Stolz war den Bavarian Bats in die Gesichter geschrieben. Das dritte Spiel absolvierten Italiener gegen die Franzosen. Erwartungsgemäß siegten hier die Italiener mit 4:0 gegen das Team Tricolore.

In der Rückrunde des ersten Spieltags trafen nun die Bats erneut auf die Italiener und wuchsen regelrecht über sich hinaus. Sie führten bis zum vierten Inning mit einem Run. Die erfolgsverwöhnten Italiener wurden gegen die gut positionierte Defense der Bayern zunehmend nervös. Erst im fünften Inning konnten zwei Runner der Italiener punkten. Somit waren die Grizzlies einen Run im Rückstand. Sie drehten nochmals auf und platzierten gute Schläge in die Defense der Italiener. Diese warfen jedoch all Ihre Ligaspiel-Routine in die Partie und konnten den knappen Vorsprung über die Spielzeit retten. Nach einem extrem spannenden Spiel stand es am Ende 2:1 für die Italiener. Aber es wurde klar, dass die Bavarian Bats dieses Spiel auf Augenhöhe mit dem italienischen Team spielten. Eine gewaltige Leistung bei 32 °C im Schatten (leider hat der Baseballplatz keinen Schatten), wenn man auf die vergangenen Mole-Cups zurückblickt.

Im letzten Spiel der Bats am ersten Spieltag trafen sie wieder gegen die Franzosen. Die Bats starteten extrem stark und es gelangen zwei „Perfect Innings“, bei denen kein Bandit auf die Base kommen konnte. Im dritten Inning, nun sind die Bats am Schlag, schlägt John Chase, der Powerhitter der Bats, den ersten Homerun des Turniers! Die Bats gehen damit 1:0 in Führung. Die Franzosen kämpften und konnten im fünften Inning ausgleichen. Das Spiel wurde extrem spannend und beide Mannschaften boten alles auf, was sie im Training geübt hatten. Die Grizzlies beendeten das Inning der Franzosen mit einem eindrucksvollen Triple-Play, bei dem in nur einem Spielzug drei gegenerische Läufer gleichzeitig ausgemacht wurden. Wieder am Schlag gelang es den Grizzlies sogar, nach einem Überwurf der Franzosen an der zweiten Base eine extra-Base zu laufen. Dies ist ein extrem seltener Spielzug, den bislang nur die Italiener spielen konnten. Nun
schien alles zu funktionieren. Die Franzosen hielten jedoch mit einer perfekt zusammenspielenden Defense dagegen und verhinderten so Punkte für das deutsche Team. Nach sechs Innings trennten sich beide Team nach einen hart umkämpften Spiel 1:1 unentschieden.

Im letzten Spiel des Tages trafen die Nogent Bandits auf die italienische Nationalmannschaft. Verletzungsbedingt mussten sich die Franzosen einen Spieler leihen und Matthias Landgraf von den Bavarian Bats sprang gerne ein. Wiederum ein sehr spannendes Spiel. Beide Mannschaften zeigten sowohl eine gute Offense- als auch Defenseleistung und so konnte kein Team Punkte erzielen. Im vierten Inning gelang dann nach einer guten Schlag- und Laufleistung der Siegpunkt: Matthias Landgraf, der Spieler der Bavarian Bats, hatte das Spiel mit 1:0 zu Gunsten der Franzosen entschieden. Die Spieler feierten anschließend bei heißen Temperaturen und kaltem Buffet auf der Players Party. Besonders die Bats mit ihrer bislang besten Turnierleistung hatten allen Grund dazu.

Am zweiten Tag des Turniers allerdings war die Euphorie des ersten Tages bei den Bavarian Bats verflogen. Sie verloren das Spiel gegen die Franzosen klar mit 8:0 und belegten wie in den letzten Jahren den letzen der drei Plätze. Im Finale schlugen die Italiener ebenfalls wie in den vergangenen Jahren die Franzosen klar mit 10:0 und gewannen erneut den Mole-Cup. Aber hinter den Kulissen wurde bei den Italienern die Leistung der aufstrebenden Teams der Bavarian Bats und der Nogent Bandits wahrgenommen. Wenn die Teams sich so weiter entwickeln, wird die inoffizielle Europameisterschaft zukünftig spannender und die Dominanz der Italiener geringer. Dies zeigte sich auch darin, dass sich während des Turniers ein Coaches-Team aus Montpellier von den italienischen Schiedsrichtern ausbilden ließ. In Montpellier wird gerade ein weiteres Blindenbaseballteam aufgebaut. Dazu passt auch die Ankündigung des Französischen Baseballverbands, im nächsten Jahr eine offizielle Europameisterschaft im Blindenbaseball in Montpellier auszutragen.

 

Text/Foto: Frank Welle

1 Antwort
  1. Stephan says:

    JUBEL!!!
    Starke Leistung, muss ein spannender Krimi für euch Coaches und das Team gewesen sein 😉

    Gratulation!

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