Herr Hegen, Herr Schertel: Die Saison ist für die Herren 1 nicht ganz so erfolgreich verlaufen. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Hegen: Wir hatten uns natürlich schon ein bisschen mehr Siege erhofft. Aber im Endeffekt wussten wir auch, dass das schwer wird. Das ein oder andere Spiel hätten wir gewinnen können und müssen, aber das war halt nicht so. Uns war wichtig, dass der Kader konstant ist und die Spieler zuverlässig da waren. Das war jahrelang ein Problem. Im Vergleich zum letzten Jahr hat der Kader stark abgenommen. Deshalb waren wir froh, dass wir das Jahr mit so wenigen Leuten, trotz der Verletzten durchziehen konnten.
Schertel: Das Saisonergebnis spiegelt nicht so ganz den Verlauf der meisten Spiele wider. Nehmen wir das Auswärtsspiel gegen die Bayerische Baseball Academy aus Regensburg als Beispiel. Das Team hat die 2. Bundesliga Süd-Südost gewonnen. Wir haben in dieser Partie 10:0 geführt und dann ist uns leider das Pitching ausgegangen. Im Rückspiel hatten wir noch 9:7 geführt. Da sind die Gegner ins Schwitzen gekommen. Und das war das beste Team der Liga. Es gab eigentlich wenige Spiele, in denen wir chancenlos gewesen wären, sondern es war immer halbwegs knapp.
Apropos Pitching: Ist das eine Konsequenz, das Thema in der kommenden Saison anzugehen?
Hegen: An der Ausbildung der Pitcher sind wir ja schon seit Jahren dran. Nicht umsonst ist unsere Jugend wieder bayerischer Meister geworden, und die werden nächstes Jahr zum großen Teil schon 2. Bundesliga spielen. So sind wir vom Pitching Staff anders aufgestellt. Natürlich werden die das jetzt auch nicht mit ihren 14, 15, 16 Jahren hier rocken, aber dann sind es zumindest wirkliche Pitcher, die pitchen.
Schertel: Das stimmt. Von unten kommen jetzt zumindest quantitativ und qualitativ gute Pitcher nach. Sie können ein, zwei Innings alle gut pitchen und sich in der Liga eingrooven. Der Plan ist ja auch eher langfristig angelegt, dass sie in zwei bis drei Jahren in der 2. Liga gut mitspielen können.
Der Übergang von der Jugend zu den Herren war in den letzten Jahren des Öfteren von Weggängen geprägt. Wie wollen Sie diese Abgänge verhindern?
Schertel: Das Problem haben wir schon vor Jahren erkannt. Dieses Jahr ist es ein bisschen anders, weil in der Masse so viele gute Leute nachkommen. Früher waren es ein bis zwei Gute, die natürlich keine ganze Mannschaft tragen konnten. Aber jetzt, gerade der 2011er- und 2012er-Jahrgang, ist schon recht stark, und da haben wir ein ganzes Team, das hochkommt. Darum haben wir uns lange Gedanken gemacht, wie wir die langfristig hier halten können. Letzten Endes sind wir gemeinsam zu der Überzeugung gekommen, dass es nur geht, wenn wir den Anspruch haben, irgendwann in der 1. Liga zu spielen. Darum haben wir einen relativ ambitionierten Fünf-Jahres-Plan formuliert und eine Academy gegründet. Wir haben die glückliche Fügung, eine Masse an guten Spielern zu haben, und zwei fähige Coaches, die längerfristig bleiben werden.
Hegen: Die Spieler sind alle gut, aber was auch noch etwas ausmacht, ist, dass sie auch privat Zeit miteinander verbringen. Das ist eine Gruppe von Jungs, die sich mag und die gemeinsam das Ziel erreichen möchte, Leistung zu bringen. Darum haben wir gesagt: Hier habt ihr das Training mit der Academy. Die Kinder haben jetzt die Möglichkeit, mit mindestens zwei Trainern täglich zu trainieren. Wir hoffen, dass die Jungs den Spaß finden, gemeinsam in vier bis fünf Jahren in die erste Liga aufzusteigen. Und vielleicht kommt der ein oder andere Spieler auch zurück zu uns.


Die Trainer wollen also langfristig in Freising bleiben? Um wen handelt es sich und was ist deren Rolle?
Hegen: Dennis Stechmann, ist ein ehemaliger Bundesligaspieler aus Dortmund und Paderborn und der neue Headcoach. Er leitet die Academy. Carson Carpenter ist vor allem Hitting- und Outfield-Coach. Es wird nach wie vor ein Herrentraining geben, wo Spieler hingehen können, die nicht so viel trainieren können und möchten. Und die, die mehr Gas geben wollen, die sind im Academy-Training gut aufgehoben.
Wie oft wird das Academy-Training stattfinden?
Hegen: Jeden Tag. Es gibt zwei Athletiktrainings und drei Baseballtrainings. Die Athletiktrainings sind vor dem normalen Herrentraining.
Schertel: Der Anspruch ist, dass alle, die in der Academy sind, eines von diesen Athletiktrainings auf jeden Fall mitmachen und zwei von den Baseballtrainings. Uns war wichtig, dass wir die Academy hauptsächlich für Freising machen, aber schon auch, um Baseball in der Region voranzubringen. Deshalb haben auch die umliegenden Vereine die Möglichkeit, ihre Spieler am Freitag zu einem vergünstigten Preis zu uns zu schicken.
Was ist der große Unterschied zu anderen Vereinen, die ebenfalls eine Academy haben, wie etwa die Regensburg Legionäre?
Hegen: Im Prinzip soll es ähnlich eines Internatsangebots sein, wie es in Regensburg der Fall ist. Die machen eigentlich auch nicht mehr als drei Stunden Training am Tag, vielleicht noch ein bisschen Krafttraining. Bei uns fließt das Geld zu 100 Prozent in die Trainer und nicht in die Wohnungsgegebenheiten.
Schertel: Es ist natürlich jetzt auch nicht billig mit 150 Euro im Monat. Aber wenn du in Sportinternaten über 1000 Euro zahlen müsstest, dann ist das bei uns relativ gesehen geschenkt.
Sie haben vorher einen Fünf-Jahres-Plan angesprochen. Was wären Ihre obersten Ziele?
Hegen: In die Deutsche Bundesliga aufzusteigen, Baseball attraktiver zu machen und der attraktivste Verein hier in der Gegend zu sein. Wir wollen, dass die Leute bei uns bleiben und mehr werden.
Schertel: Was wir schon in den letzten Jahren gemacht haben: den Platz und alles darum herum weiterzuentwickeln. Einerseits, was das Training an sich angeht, aber auch die Bedingungen, wie etwa Cages zu überdachen oder Livestreaming anzubieten.

