Blindenbaseball: Bavarian Bats werden dritte bei inoffizieller Europameisterschaft

Sportliche Höchstleistungen der besonderen Art gab es am Wochenende auf dem Baseballplatz der Freising Grizzlies in Attaching: Beim Blindenbaseball wurde der Mole-Cup ausgespielt, sozusagen die Europameisterschaft in dieser Sportart

Freising – Der Baseball wird geschlagen, die gesamte Abwehr wirft sich auf den Boden, und der Hitter läuft geradewegs auf den Umpire mit der Trillerpfeife zu – das ist Baseball für Blinde, ein Sport, der die Besucher am Grizzlies-Feld faszinierte. Ungewohnt still waren die Zuschauer, ungewöhnlich laute Töne – Pfeifen, Klappern und stimmgewaltige Schiedsrichter-Ansagen – hörte man dagegen vom Baseballfeld selbst im Attachinger Ballpark. Eineinhalb Tage lang wetteiferten hier blinde Teams aus Italien, Frankreich und Deutschland um den Mole-Cup, die Europa-Trophäe im Blindenbaseball, die bereits zum fünften Mal ausgespielt wurde.

Dass bisher nur drei europäische Nationen bei dieser inoffiziellen EM dabei sind, liegt daran, dass die Sportart relativ neu ist. Vor 25 Jahren begannen Blinde in Italien, Baseball zu spielen und erarbeiteten die Bedingungen, die es ermöglichen, dass man auch ohne zu sehen einen Ball schlagen, fielden und gezielt zu sehenden Fänger auf der zweiten Base werfen kann. Dort gibt es inzwischen sogar eine eigene Landesliga im Blindenbaseball. Frankreich zog nach, und vor rund vier Jahren brachte Franz Fischer die Idee auch zu den Freising Grizzlies. Dort fanden sich die „Bavarian Bats“ zusammen: Spieler aus ganz Bayern, die inzwischen jeden zweiten Sonntag mehrere Stunden Anfahrt in Kauf nehmen, um den ganzen Nachmittag bei den Grizzlies zu trainieren. Cheftrainer der Bats ist inzwischen Hubertus Hagemeyer, der sich am Wochenende über einen hervorragenden Turnierverlauf zuhause freuen konnte.

Zwar haben die Bavarian Bats immer noch etwas aufzuholen gegenüber den bedeutend spielerfahreneren Italienern und Franzosen, doch steigerten sich die anfangs nervösen Spieler im Verlauf des Turniers deutlich. Die Bats waren, um allen Spielern Einsatzmöglichkeiten zu bieten, und auch um mehr Spiel-Möglichkeiten für die Gäste zu schaffen, mit zwei Teams angetreten. Die Bats A betreuten Frank Welle und Maria Millitzer als sehende Coaches auf dem Feld. Hier spielten Anja Cirar, Matthias Landgraf, Simon Bienlein, John Chase und Henning Oschwald. Im B-Team, das Steffen Heiland und Daniela Seulen betreuten, traten Renate Stadler, Maria Hell, Stefanie Elsinger und Melanie Egerer mit Christian Schöpplein sowie in späteren Spielen Bernd Dorer und Hans Alram an. Für beide Bats-Mannschaften unverzichtbar war „Team-Mama“ Ursula Elsinger, die dafür sorgte, dass jeder mit seinem passenden Schläger und Handschuh aufs Feld ging.

Das Finale bestritten, nicht überraschend, die Nogent Bandits aus Frankreich gegen das gemischte italienische Team Italian Ambassadors. Letztere setzen sich hier klar mit 9:1 in vier Innings durch. Auf den Plätzen drei und vier folgten die Bavarian Bats A und B. Bei der Siegerehrung, zu der auch Bürgermeister Hans Hölzl gekommen war, wurden aber nicht nur die Teams geehrt, sondern auch die besten Spieler. Und hier konnte sich der schlagstarke John Chase, der erst seit wenigen Monaten mit den Bats trainiert, die Auszeichnung als bester Rookie, also Neuzugang, des Turniers sichern. Und Nachwuchshoffnung Steffi Elsinger erhielt einen Preis als jüngste deutsche Spielerin.

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John Chase schlug einen Homerun für die Bavarian Bats und wurde als bester Rookie des Turniers ausgezeichnet

Und weil es allen so viel Spaß gemacht hat, nicht zuletzt wegen der Grizzlies-Gastlichkeit, des hervorragenden Fahrdienstes von BMW und der liebevollen Verpflegung durch den Förderverein, blieben die Gäste aus Frankreich sogar noch für ein zusätzliches Freundschaftsspiel gegen ein gemischtes Bats-Team. „Es war toll, so machen wir weiter“, ist das Fazit von Coach Hagemeyer, der sich schon auf den sechsten Mole-Cup freut, der im Juli 2016 in Paris ausgetragen wird.

 

Text: Daniela Seulen

Fotos: Grizzlies/BMW

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